Hexagon feiert 50 Jahre RADAN, eine CAD/CAM‑Lösung für die Blechbearbeitung. Die Software entstand 1976 mit einem klaren Ziel: die Offline‑Verifizierung von Stanzpressprogrammen, bevor das Material die Maschine erreicht. Während sich Fertigungstechnologien, Maschinenfähigkeiten und wirtschaftliche Zwänge seitdem stark verändert haben, ist die zugrunde liegende Herausforderung gleichgeblieben – nur die Fehlertoleranz hat sich deutlich verringert. Seit 50 Jahren entwickelt Hexagon RADAN weiter und passt es an neue Maschinentechnologien, veränderten Lieferketten und die Realitäten der modernen Arbeitswelt an.
Gemischte Maschinenbestände, Margendruck und steigender Fachkräftemangel prägen moderne Fertigungsumgebungen, während die fortschreitende Automatisierung die Produktivitätserwartung erhöht – gleichzeitig aber auch die Fehlerkosten. Materialverlust, ungeplante Nacharbeiten und Maschinenstillstände haben jetzt unmittelbare wirtschaftliche Folgen.
Die Software RADAN unterstützt Arbeitsabläufe für Stanzen, Profilieren, Nesting und Biegen in einem breiten Spektrum von Fertigungsumgebungen. Sie vereinfacht es Herstellern, die Komplexität ihrer Maschinen für sich und ihre Fertigung zu nutzen. Durch die Einbettung maschinenspezifischer Logik, Werkzeug-Intelligenz und verifizierter Abläufe erfasst RADAN operatives Fachwissen und macht es wiederholbar – selbst wenn sich Personal, Maschinen und Produktionsanforderungen ändern. „Im Blechfertigungssektor zählt Langlebigkeit nur, wenn man sich das Vertrauen auch weiterhin verdient“, sagt Olaf Körner, Produktmanager bei Hexagons Division Production Software. „RADAN bleibt relevant, weil es sich kontinuierlich an die Realität der Fertigung anpasst. Wenn Maschinen leistungsfähiger, Materialkosten volatiler und die Verfügbarkeit von Fachkräften unsicherer werden, benötigen Hersteller eine verlässliche Vorbereitung.“
Dieser Ansatz greift bereits früh im Fertigungsprozess: Bei dauerhaftem Margendruck müssen Angebots‑ und Planungsentscheidungen auf der Grundlage von Herstellbarkeit und verifizierten Werkzeugwegen basieren. RADAN verknüpft Vorbereitung, Kostenkalkulation und Verifizierung in einer einheitlichen Anwendungsumgebung. So stellt die Software sicher, dass Aufträge profitabel und realisierbar sind, bevor Material eingeplant wird. Selbst bei sich verändernden Zeitplänen, Prioritäten und Nachfrageschwankungen bleibt RADAN flexibel.
Gemeinsam gewachsen
Die langjährige Kundenakzeptanz bestätigt RADANs Ansatz. „Viele der Unternehmen, die RADAN einsetzen, begannen als kleine Fertigungen“, erklärt Körner. „Im Laufe der Jahre sind wir mit ihnen gewachsen, auch durch Turbulenzen wie die Finanzkrise 2007 oder die COVID‑Pandemie, die die Arbeitsweise von Fertigungsbetrieben grundlegend verändert hat. Jedes Mal änderten sich die Kundenprioritäten: Material wurde schwerer zu beschaffen, Margen schrumpften, Fachkräfte wurden knapper und die Fehlertoleranz sank. Unsere Kunden blieben nicht stehen – und RADAN auch nicht. Es hat sich gemeinsam mit ihnen weiterentwickelt.“
Lasershape nutzt RADAN für automatisierte Angebots- und Auftragsplattform
Bei dem britischen Fertigungsunternehmen Lasershape hat sich RADAN von einem reinen Nesting‑Tool zum Produktionsmotor hinter Hyperlight entwickelt, der vollständig automatisierten Angebots‑ und Auftragsplattform des Unternehmens. Hyperlight eliminiert manuelle Eingriffe bei Teileimport, Geometrievalidierung und Nesting, sodass Kunden jederzeit sofort produktionsnahe Angebote erhalten. Jason George, Geschäftsführer von Lasershape, betont: „Diese Angebote sind keine theoretischen Schätzungen, sondern basieren direkt auf RADANs validierter Nesting‑Logik. Sie werden durch Betriebsregeln ergänzt, die die reale Maschinenleistung widerspiegeln.” Dafür müssen die Grundlagen absolut fehlerfrei sein. „Wenn Code mit dem System spricht und eine Antwort zurückliefert, muss es jedes Mal korrekt sein“, sagt George.
Durch die Automatisierung der Teilevalidierung, Geometriebereinigung und des Nestings über die RADAN‑API hat Lasershape die Angebots‑ und Planungsprozesse im gesamten Unternehmen stabilisiert. Der Materialausschuss sank um etwa 15 Prozent, die Profilierungszeiten für 3 mm Aluminiumbleche verbesserten sich deutlich und die Angebotskapazität wuchs von manuellen Bürozeiten auf durchgängige Verfügbarkeit.
Wesentlich war dabei nicht die Reduktion von Personal, sondern Konsistenz: „Wir wollen wachsen, aber nicht, indem wir unsere Mitarbeitenden mehr und schneller arbeiten lassen”, fügt George hinzu. „Stattdessen setzen wir Menschen dort ein, wo sie den größten Mehrwert schaffen, und automatisieren die dafür geeigneten Prozesse.“ Durch stabilisierte Vorbereitungs- und Angebotsprozesse kann Lasershape Aufträge gezielt annehmen, die Profitabilität sichern und Fachkräfte für höherwertige Aufgaben einsetzen. „Lasershape zeigt, wie Vorbereitungssoftware zur Basis skalierbarer digitaler Services wird“, erklärt Körner. „Wenn die zugrunde liegende Engine zuverlässig ist, können Hersteller darauf aufbauen – sei es für Automatisierung, Angebote oder neue Kundenmodelle.“
Weiterentwicklung in Richtung Automatisierung
Im sechsten Jahrzehnt setzt Hexagon bei RADAN weiterhin auf praktische Prioritäten, die der modernen Fertigung entsprechen: Automatisierung nimmt repetitive Vorbereitungsaufgaben ab, stärkere Rückverfolgbarkeit unterstützt eine reproduzierbare Produktion, und gezielte Workflow-Unterstützung adressiert zunehmend komplexere Stanz-, Profil- und Biegeumgebungen.
Hexagon führt neue Funktionen so ein, dass validierte Programme und etablierte Prozesse geschützt bleiben. Hersteller können Änderungen so in ihrem eigenen Tempo übernehmen, ohne die Produktion zu destabilisieren. Der 50‑Jahre‑Meilenstein von RADAN belegt einen ingenieurtechnischen Ansatz, der dort Wert liefert, wo er am meisten zählt – bereits vor Produktionsstart.
